Fluchtgründe, Wertesysteme und Stereotype – Fortbildung zu Tschetschenien

Was sind die Fluchtgründe von Tschetschenen/innen, welche Stereotype beeinflussen deren Bild in Deutschland, wie klappt das Zusammenleben in Brandenburg und was können die Sozialarbeitenden leisten? Über diese Fragen tauschten sich am 11. Juli 2017 etwa 40 (Migrations)Sozialarbeitende in Oranienburg aus. Die Regionalbüros Eberswalde undNeustadt/Dosse der Mobilen Heimberatung (MHB) hatten zu der Fortbildungsveranstaltung: „Tschetschenische Geflüchtete in Brandenburg – Zusammenleben in den Unterkünften“ eingeladen.

Die Referentin Dr. Marit Cremer, Migrationsforscherin* und Leiterin der Geschäftsstelle von MEMORIAL Deutschland e.V., zeichnete mit Blick auf die soziokulturellen Entwicklungen ein Bild der schwierigen Menschenrechtslage in der post-sozialistischen Gesellschaft Tschetscheniens. Frau Cremer gab Einblicke in die sich überlagernden Werte- und Rechtssysteme und diskutierte mit den Teilnehmenden darüber, welche Rollenkonflikte sich daraus für Frauen und für Männer ergeben.

Neben syrischen Geflüchteten sind Geflüchtete aus der Russischen Föderation die zweitgrößte Gruppe von Schutzsuchenden in Brandenburg. Die Schutzquote dieser überwiegend aus der Tschetschenischen Teilrepublik stammenden Menschen ist niedrig. Viele von ihnen müssen im Rahmen des sogenannten Dublin-Verfahrens damit rechnen, nach Polen abgeschoben zu werden. Für die Sozialarbeitenden in den Unterkünften kann ein verbessertes Verständnis der menschenrechtlichen und sozioökonomischen Situation ebenso wie der Wertesysteme dieser Personengruppen, ein Schlüssel dafür sein, sie wirksamer unterstützen zu können.

* Marit Cremer: „Fremdbestimmtes Leben: Eine biographische Studie über Frauen in Tschetschenien“, transcript Verlag,  2015